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Brot & Sterne

Hautzinger&Loibner&Rosmanith

Franz Hautzinger Trompete
Matthias Loibner Drehleier
Peter Rosmanith Perkussion, Hang

Zum Errichten temporärer Klangoasen begegnen sich drei Musikerfeunde und Individuen auf höchst menschlicher Ebene. Herzlich, genießerisch, schamlos und behutsam musizieren sie Träume herbei, in denen sich Bilder und Töne Geschichten erzählen und der Moment Zeit hat. Jazz, World und Klassik lösen sich zwischen allen Stühlen auf und machen Platz für ungezierte musikalische Unterhaltung zum Eintauchen und Belauschen.

Ankommen
Eintauchen in Vertrautes. Abendrote Trompeten im ungemachten Streicherbett.
Den Puls des Tages in die Arme nehmen. Im Akkord lachen.
Anlehnen an rostige Töne aus warmen Metall.
Klang berührt Stille, berührt Klang.
Froher Gesang. Rauch und Wein.
Geräusche waren Melodien.
Fallobst, rhythmisches.

Spricht man über Franz Hautzinger, so spricht man über einen Freigeist, wie er im Buche steht, von einem Musiker, der seit Jahren seinen eigenen Weg geht und sich bislang, auch aufgrund seiner einzigartigen Spieltechnik, erfolgreich jeglichen Kategorisierungsversuchen entzogen hat. Hautzinger versucht durch sein Spiel, Brücken zu schlagen, stilistische Grenzen außer Kraft zu setzen, um etwas völlig Neues und Außergewöhnliches zu schaffen.

Matthias Loibner erhielt für sein expressives Spiel oft den Beinamen "Jimi Hendrix der Drehleier". Doch zeichnet er auch verantwortlich für die Ersteinspielung von Joseph Haydns Werken für Orgel Leier (lira organizzata), spürte der Xylophon Musik in Süd- und Ostafrika nach oder der Einsamkeit des Leiermanns in Schuberts Winterreise. In seiner sehr persönlichen Musik fließen unterschiedliche Stimmungen und Stile oft gleichzeitig ineinander.

Schlagwerker sind Leute die dreinschlagen können. Sie können aber auch dezent anklopfen. Die Bandbreite von Peter Rosmanith´s handgreiflichen Tätigkeiten reicht noch weiter, bis zum Streichen, Streicheln, ja bis zum fast-nicht-mehr-berühren. Noch der behutsamste Impuls auf einem seiner Instrumente entfacht einen Rhythmus, schafft eine groove. In der groove,  diesem rhythmischen Flussbett der Musik,  entsteht die Musik von Brot & Sterne.

Brot & Sterne hat 2015 für die Hörspiel und Hörbuchproduktion "Das Wechselbälgchen" von Christine Lavant die Musik gestaltet (Sprecherin: Sophie Rois). Diese Produktion wurde vom Ö1-Publikum zum besten Hörspiel des Jahres gewählt.

Am 6.3.2017 erscheint die erste gemeinsam CD "Tales of Herbst".

Albert Hosp:


Slightly distorted.

 

Die berühmteste Aufzählung von Musikinstrumenten der Pop-Geschichte geht so: “…grand piano…..reed and pipe organ…glockenspiel……bass guitar….double-speed guitar”; dies wird leise, aber deutlich vernehmbar angekündigt, und dann, nicht ohne Stolz, heißt es: „two slightly distorted guitars!“

Was hat jene geflüsterte Auflistung mit dieser CD hier zu tun?

Und warum fiel mir beim Anhören jene Platte, „Tubular Bells“, von Mike Oldfield, 1973, ein, tauchten ausgerechnet die Worte „slightly distorted“ vor dem inneren Auge auf?

 

Erstens macht manchmal eine leichte Verzerrung ein Bild erst schön. Dasselbe gilt für den Klang. Bisweilen freut uns ein wenig Schmutz unter den Fingernägeln der musizierenden Hände.  Matthias Loibners Drehleier klingt manchmal „slightly distorted“, und dieser Effekt muss gar nicht durch elektronische Hilfsmittel bewerkstelligt werden. Wenn Loibner seine Schnarrsaite aktiviert (bitte fragen Sie mich jetzt nicht, wie das geht, auf Loibner´s website lässt sich´s nachlesen), dann durchfährt die Musik ein Blitz.

 

Auch Franz Hautzinger´s Sound-Palette verfügt über „slightly distorted colours“, als legte man über den klaren Ton ein Seidenpapier. Dass schließlich Peter Rosmanith´s uferlose Vielfalt ebenfalls die „leichte Verzerrung“ beinhaltet, versteht sich geradezu von selbst.

 

Zweitens wünsche ich immer wieder, dass mir jemand ein wenig ins Ohr flüstert, welche Instrumente gerade „dran“ sind bzw. was mit ihnen gerade „passiert“. Wie eine gute Synchronisation am unteren Bildrand würde mir das Hören solcherart erleichtert.

Gibt´s natürlich nicht, so einen Leitfaden, „des spüt´s ned“, mögen die Musiker mir sagen. Und gut so, denn man soll ja mit den Ohren in die Musik hineinkriechen, und sich selbst den Reim drauf machen, track für track, Stück für Stück.

 

Es sind freilich freie Reime, die sie uns vermitteln. Viel sei frei improvisiert, hat mir einer erzählt, vereinbart sei oft gar nichts, und aus dem Nichts entstehe dann ein Etwas, eine elegant-rasante Groove (Aufbrechen), ein gemeinsames emsiges Töne-Klauben (Unterm Mostbirnenbaum), oder das irrlichternde Leuchten einer Fata Morgane (Standlicht).

 

Der Ganz-, Halb- und Viertelton-Trompeter aller Klassen, der Drehleier-Befreier und der Geheimrat der Rhythmen: Sie haben schon viel gespielt, sind Jahrzehnte in der Musik-Szene unterwegs, die sich keinen genre-Stempel aufdrücken lässt. Jeder von ihnen bietet in seinem Feinkostladen ein Fülle von Waren an. „Brot und Sterne“ belegt bei allen dreien nur einen Teil des Schaufensters ihres Geschäftes. Das geht auch gar nicht anders, will man sich in Gewässern, die weit entfernt vom Mainstream fließen, über Wasser halten. Ob sie mit dem CD-Titel auch die eigenen Lebensläufe meinen, wage ich nicht anzunehmen. Vielleicht bedeutet „Tales of Herbst“ ja ohnehin nur, dass der Herbst die beste Jahreszeit zum Geschichten-Erfinden ist.

Das aufreibende Multitasking diversester Projekte hat Hautzinger, Loibner & Rosmanith jedenfalls zu Sprachkünstlern sondergleichen gemacht. Ihr Vokabular ist so reich, dass sich das Risiko der freien Improvisation auszahlt. An Einfällen mangelt es nicht – es geht wohl eher ums Weglassen des Unnötigen. So sind die zauberhaftesten Momente dieses Albums jene der freiwilligen Klang-Kasteiung, des stillen Weges. In A Silent Way: Logisch, dass, inmitten der Fülle an Eigenkompositionen, die einzige Cover-Version eine Musik der ganz wenigen Töne ist.

Und mir fallen beim Hören des ganzen wunderschönen Albums, mit all seinen rätselhaften Namen, noch zwei andere Stück-Titel ein, die dem originalen „In A Silent Way“ (1969) vorausgingen: „shhh/peaceful“.